Live Nation Presents

Ho99o9:

Hemmungslosigkeit als stilistisches Prinzip

US-Rap-Noisepunk-Horrorcore-Duo auf Europa-Tournee

Seit nunmehr einem Jahrzehnt kultiviert das in New Jersey gegründete und seit 2014 in Los Angeles residierende Duo Ho99o9 (sprich: Horror) eine mit Worten kaum zu greifende Form von Musik-Performance-Kunst, die in ihrer Radikalität, Unerbittlichkeit und spielerischen Freude an der Konfrontation absolut einzigartig – und nichts für schwache Nerven – ist. Stilistisch beheimatet in einer undefinierbaren Matrix aus rotzigem Hip-Hop und schwermetallischem Industrial, brutal überzeichnetem Horrorcore und bis zu puren Störgeräuschen entartetem Noisepunk, gelten die mutwillig unberechenbaren Liveshows des Rebellenduos als kollektive Ganzkörper-Grenzerfahrung, die den Begriff des „Extremismus“ für jeden Zuschauer greif-, fühl- und erlebbar macht. Verglichen mit ihren keuchenden, brüllenden, krächzenden (und manchmal auch kotzenden) Liveauftritten wirkt ihre auf Tonträger gebannte Musik fast harmlos und zugänglich; wohl auch der Hauptgrund, dass ho99o9 zum zehnjährigen Jubiläum im letzten März gerade mal ihr zweites Album „Skin“ veröffentlicht haben. Gleichwohl Anlass genug, nun wieder auf Jahre hinaus ganz ihre kollektiven Extrem-Happenings sprechen zu lassen. Derer drei werden ho99o9 im kommenden November auch in Deutschland absolvieren, mit Stationen in München, Köln und Hamburg.

„Wenn du zu einer Ho99o9-Show gehst, betrittst du eine andere Dimension“, schrieb ein US-Lifestyle-Magazin in dem Versuch einer Konzertkritik. „Eine Dimension, frei von den Beschränkungen des Alltags, frei von Erwartungen oder Zurückhaltung. Eine Ho99o9-Show gehört unzweifelhaft und in einzigartiger Weise nur ihnen, ein durchgeknallter, kompromissloser Ort, durch und durch kaputt, dabei aber freudvoll und bedingungslos radikal.“ Und das stets geschmackssichere britische The Quietus bemerkte vollkommen richtig: „Es gehört wirklich einiges dazu, eine Crowd im Berliner Berghain ernsthaft zu verängstigen, aber Ho99o9 haben das regelrecht ruhmreich hinbekommen.“ Hardcore-Fans der Band verstehen natürlich, dass es bei den Auftritten von Ho99o9 nicht primär oder gar ausschließlich um die Musik geht (von diesen treffend als „Deathkult“ bezeichnet), sondern gleichermaßen um das Spektakel, um so krasse wie bizarre Kombinationen aus Hip-Hop-Versen mit viszeralen Punk-Chören oder ehrlichen Anti-Establishment-Texten mit gemeinsamen Kiff- oder FKK-Aktionen; nicht selten stürzt sich dabei mindestens einer der beiden Akteure von Bühnenrändern, Decken oder Balkonen – und meistens stürzt ein Teil des Publikums gleich hinterher.

Dabei war der Auslöser dieser buchstäblichen Wahnsinns-Show eigentlich ein geradezu sozialer und menschenfreundlicher: „Unser Ziel bestand darin, lokalen Künstlern aus New Jersey Aufmerksamkeit zu verschaffen, indem wir richtig coole Shows aufziehen und damit die Typen aus New York City anlocken, weil die solche Trips normalerweise hassen. Darüber wurden wir auch gleich bessere Künstler, weil wir plötzlich eine Bühne zum Üben hatten“, erklärt Sänger und Instrumentalist Eaddy ihren Ursprung. Dass sie dabei lyrisch dennoch stets etwas zu sagen haben und klare Haltungen und Positionen einnehmen, ist für sie kein Widerspruch. Und doch: „Ho99o9 ist kein bisschen politisch. Wir reden einfach über das, was wir tagtäglich sehen“, erklärt Frontmann The OGM. „Wir sprechen über den Scheiß, den wir hören oder durchmachen im Leben. Dinge, über die die Menschen sprechen. Realität.“ Eine Einstellung, die Ho99o9 vermutlich mehr Sprengkraft beschert, als viele dezidiert politisch motivierte Künstler jemals erreichen. „Du kannst die Welt, in der wir heute leben, nicht mit Zuckerguss überziehen“, fügt Eaddy an. „Uns umgibt das alles, ob es dir gefällt oder nicht. Schau dir die Welt an: Terrorangriffe, Rassismus, Krieg, Waffen, Polizeigewalt, die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Es geht gar nicht darum, ob uns das fasziniert. Vielmehr haut dir das echte Leben ständig auf dein verdammtes Maul.“ Ho99o9 versuchen lediglich, darauf Antworten zu geben – in einer aus ihrer Sicht vollkommen angemessenen Tonlage.

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Künstler

Veranstaltungsdatum

November 21, 2022

Einlass

19:30 PM

Veranstaltungsort

Strom

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